Dienstag, 5. April 2011

Warum sind die Häuser in der Zitadelle und im alten Hafen von Bastia in so schlechtem Zustand?

Ausgangspunkt des heutigen Bastia ist der kleine Hafen, den die Einwohner von Cardo, einem kleinen Dorf am Hügel oberhalb von Bastia, einst anlegten. Früher ließ man sich nur selten direkt an der Küste nieder, sondern mehr im Landesinneren oder an Berghängen. Hierfür gab es Sicherheitsgründe, da die Insel ja von den verschiedensten Zivilisationen regelrecht überfallen wurde. Außerdem war im Küstenbereich das Sumpffieber (Malaria) weit verbreitet und die Küste damit im Sommer unbewohnbar. Lediglich einen Zugang zum Meer, also einen Hafen, richtete man an der Küste ein. Wer zum Beispiel das Cap Corse besucht, kann oft beobachten das Hinweisschilder einerseits auf den Hafen (Marina) und andererseits auf das eigentliche Dorf (Peasu) verweisen.

Verfallene Fassaden in Bastia (Foto: Wikipedia)

  
Im Jahre 1380 beschließt der damalige genuesische Gouverneur Leonelli Lomellini, die korsische Hauptstadt von Biguglia in das heutige Bastia zu verlegen. Es war wichtig, das strategisch bedeutende Cap Corse kontrollieren und überwachen zu können, denn hier fand der Handel von Wein, Honig, Olivenöl und vielen weiteren Waren zwischen Korsika und der Toskana statt.
Es entsteht also oberhalb des alten Hafens, nach und nach die Zitadelle von Bastia, daher auch der Name, abgeleitet von dem Wort Bastion, das auf Deutsch soviel wie „Festung“ bedeutet. Im Inneren der Zitadelle befindet sich der Gouverneurspalast und man beginnt, sich innerhalb der Burgmauern anzusiedeln. Die Zitadelle nennt sich jetzt “Terra Nova” und das Gebiet um den alten Hafen “Terra Vecchia”, obwohl sich dieses Viertel erst nach dem Bau der Zitadelle richtig entwickelt hat und es eigentlich genau umgekehrt benannt sein müsste.
 

(Foto: Wikipedia)

Im 19. Jahrhundert sind viele Korsen wegen der sehr schlechten wirtschaftlichen Lage gezwungen, auszuwandern. Viele Korsen siedeln in einer wahren Diaspora zum Beispiel nach Südamerika aus, andere machen in französischen Kolonien in Nordafrika als Beamte Karriere. Dies führt dazu, dass viele Häuser verlassen und nicht mehr instand gehalten wurden, also nach und nach verfielen. Das trifft auch auf andere Städte der Insel zu, wie zum Beispiel die Altstadt von Corte.
Ein weiterer Grund für den Verfall vieler Häuser sind Erbstreitigkeiten: Viele Miterben und die Tatsache, das es für ein Haus meist mehrere Eigentümer gibt. Darunter gibt es immer mindestens Einen, der nicht bereit ist, für die Restaurierung zu investieren, aber auch nicht verkaufen will. Damit sind den anderen Miteigentümern die Hände gebunden. Die Folge ist der langsame und stetige Verfall dieser Gebäude.
Und jetzt die gute Nachricht: Da das Innere der Zitadelle von Bastia zur verkehrsberuhigten Zone erklärt wurde und sich damit zu einer beliebten Wohngegend entwickelt hat und der alte Hafen für den Tourismus zu einem Aushängeschild geworden ist, hat die Stadt Bastia einen Sanierungsplan vorgesehen und finanziert.

Renovierte Häuser am alten Hafen (Foto: Paolo Succu)

Die Restaurierungsarbeiten sollen spätesten 2012 beginnen. Etwas Zeit wird es schon brauchen, denn die teilweise historischen Gebäude sollen fachgerecht und möglichst originalgetreu wiederhergestellt werden.

Herzlichst,
Edmund Schroth

Montag, 4. April 2011

Brücken zwischen Porto und Evisa verbreitert

Gute Nachricht vom korsischen Straßennetz. Auf der Strecke zwischen Porto und Evisa wurden zwei, bisher besonders enge, Brücken erweitert. Da diese Strecke im Sommer auch von vielen Reisebussen benutzt wird, macht es das Fahren auf dieser Strecke einfacher und natürlich auch sicherer. Da ich jetzt wieder häufiger in Bussen auf der ganzen Insel unterwegs bin, werde ich, wenn es was Neues über die korsischen Straßen gibt, darüber berichten. Also, ab und zu mal rein schaun.


Größere Ansicht

Eines meiner nächsten geplanten Themen (auf Anfrage von Vanessa):
Warum sind die Häuser in der Altstadt und besonders im inneren der Zitadelle von Bastia in so schlechtem Zustand?
Herzlichst
Eddy